Dabei lassen sich Wissenschaftler von allen möglichen Kreaturen inspirieren: Fische, Quallen, Reptilien oder Insekten. Eine Qualle etwa gleitet auf einzigartig elegante Art und Weise durchs Meer. Davon wollen Roboterentwickler lernen, indem sie immer neue und bessere Aktoren entwickeln, die ihre Bewegungen perfektionieren. Auch die chinesischen Robotikspezialisten haben sich möglicherweise in der Natur etwas abgeschaut. Schließlich können auch manch kriechende Insekten hüpfen.
Am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Stuttgart und Tübingen haben Wissenschaftler kürzlich eine Roboterspinne gebaut, die das Zehnfache ihrer Körpergröße überspringen konnte. Das Besondere an dem Gerät sind die Gelenke des Knickbeinroboters, die extrem beweglich sind. Dahinter steht ein ähnliches Prinzip wie die Aktoren, die für den chinesischen springenden Pfannkuchen aus China verwendet wurden. Das Gelenk ahmt einen von Spinnen inspirierten exoskelettalen Mechanismus nach, der sowohl aus starren als auch aus weicheren Elementen besteht, die durch den Einsatz hydraulischer Kräfte ähnlich wie die Beinstreckung des Tieres funktionieren.
Manchmal gehen Wissenschaftler auch den umgekehrten Weg. Sie suchen nicht direkt nach einer Inspiration aus der Natur für eine technische Anwendung, sondern wollen zuallererst die Natur mithilfe der Robotik besser verstehen. Das gelang dem Max-Planck-Forscher Ardian Jusufi. Er entdeckte, wie essenziell wichtig der Schwanz für das Landeverhalten von springenden Geckos ist – durch die Hilfe von Softrobotern. »Mit ihnen konnten wir etwas messen, das wir im Regenwald bei den Tieren nicht messen konnten«, sagt Jusufi dem SPIEGEL.
Der Hintergrund: Eine bestimmte Art der Tiere, der Saumschwanz-Hausgecko, der im Urwald von Singapur lebt, übersteht den Aufprall auf Oberflächen unbeschadet, obwohl er mit rund 21 Kilometern pro Stunde von Baum zu Baum springt. Er kann den Sprung perfekt ausbalancieren und fällt nicht vom Ast. Das gelingt dem kleinen, gut zwei Gramm leichten Tier offenbar nur, weil es einen Schwanz hat. Manchmal aber werfen diese Tiere ihren Schwanz bei drohender Gefahr ab. Derlei Exemplare haben einen Nachteil. Sie fielen prompt vom Baum, beobachteten die Forscher.
In Aufnahmen aus Hochgeschwindigkeitskameras erkannten die Forscher, dass die Tiere ihren Schwanz als erweiterte Landefläche des Rumpfs verwenden und den Rumpf um bis zu 100 Grad nach hinten strecken. Das reduziert die Kräfte, die an den Hinterfüßen der Tiere auftreten. Um ihre Hypothese zu testen, entwickelten die Forscher auf der Basis ihrer Beobachtungen ein physikalisches Modell und bauten dazu einen Softroboter-Gecko, dem der Schwanz bei Bedarf abgenommen werden konnte, um beide Flugvarianten im Labor zu testen. Tatsächlich bestätigte sich ihre Vermutungen. Je länger der Geckoschwanz, umso geringer war die Kraft, die auf die Hinterfüße des Roboters wirkte. Und umso leichter konnte sich der Robo-Gecko im Labor an der Wand halten.