Back
Anschließend findet das Intelligente Systeme Sommerkolloquium mit einem Aufgebot an hochkarätigen Referentinnen und Referenten statt
Stuttgart – Professor Zhenan Bao von der Stanford University in Kalifornien war die prominente Rednerin bei der diesjährigen Max Planck Lecture des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme. In ihrem Vortrag mit dem Titel „Skin-Inspired Organic Electronics“ beleuchtete Zhenan Bao die richtige Formel und die komplexen Materialeigenschaften, die nötig sind, um elektronische Schaltkreise zu bauen, die nicht mehr aus Silizium, sondern aus Kunststoffen bestehen. Sie ahmen die Haut, das größte Organ des Menschen nach – eine Technologie, die nicht nur die Elektronik, sondern auch die Pharmaindustrie revolutionieren könnte.
Zhenan Bao ist Chemikerin, Chemieingenieurin und Materialwissenschaftlerin. Sie lehrt an der Stanford University im Herzen des Silicon Valley, wo sie und ihr Team flexible und dehnbare Materialien sowie flexible Elektronik und Geräte entwickeln, die von der menschlichen Haut inspiriert sind und den Tastsinn nachahmen können. Im Jahr 2016 ernannte das renommierte Fachjournal Nature Zhenan Bao zu einer der zehn Personen, die für die Zukunft unseres Planeten wichtig sind.
Drei Jahrzehnte vor dem Nature-Artikel verließ Zhenan Bao als junge Frau ihr Heimatland China, ohne ein Wort Englisch zu sprechen. Sie wollte in den USA ein besseres Leben führen und den amerikanischen Traum leben. Sie stammt aus einer Einwandererfamilie mit geringer finanzieller Unterstützung. Während sie studierte, hatte sie zusätzlich noch zwei Jobs. Zhenan Bao, deren Vater ebenfalls Wissenschaftler war, wusste, dass sie, wenn sie gut abschnitt, an einer guten Universität aufgenommen werden würde. Im Jahr 1995 promovierte sie an der Universität von Chicago in Chemie. Von 1995 bis 2004 arbeitete sie als technische Mitarbeiterin in den Bell Labs von Lucent Technologies.
Ihre Zielstrebigkeit, neue Materialien zu entwickeln, die elektronische Geräte revolutionieren könnten, brachte Zhenan Bao 2004 an die Stanford University, wo sie zur Professorin berufen wurde. Zhenan Bao und ihr Team von rund 50 Wissenschaftler*innen aus aller Welt entwickeln dehnbare Kunststoffe, die biologisch abbaubar, selbstheilend und mit ihren vielen natürlichen haptischen Sensoren so sensibel wie die menschliche Haut sind. Zhenan Bao arbeitet zum Beispiel an Sensoren, die gelähmten Menschen den Tastsinn zurückgeben können, damit sie ihre Umwelt wieder spüren und ertasten können. Was sich wie Science-Fiction anhört, ist vielleicht nur noch ein paar Jahre von der Marktreife entfernt. 700 wissenschaftliche Publikationen tragen ihren Namen. Sie hat über 100 US-Patente angemeldet und einen Google Scholar h-Index von 190.
Darüber hinaus ist Zhenan Bao eine herausragende Unternehmerin. Sie ist Mitbegründerin und Vorstandsmitglied von PyrAmes und C3 Nano, einem in San Francisco ansässigen Start-up-Unternehmen, das flexible und transparente Flachbildschirme mit einer Breite von nur wenigen Millimetern herstellt. Tablets oder Smartphones könnten so biegsam werden wie Kinderspielzeug. In Solarzellen könnte dieses biologisch abbaubare Material zum Einsatz kommen, und verschiedene Elektronik- und Autofirmen stehen Schlange, um das Produkt zu kaufen. Zhenan arbeitet auch als beratende Partnerin für Fusion Venture Capital und ist Beraterin für mehrere Start-ups.
Im Anschluss an die Max Planck Lecture 2022 fand das Intelligente Systeme Sommerkolloquium statt, bei dem eine Reihe von Gastrednern auftraten. Wieland Brendel, Leiter der Max-Planck-Forschungsgruppe und Teamleiter im Tübinger AI-Zentrum, sprach über „A more principled way towards machines that see the world like humans“.
Auf Brendel folgte Sayan Mukherjee, der über „Modeling shapes and surfaces“ sprach. Mukherjee ist Alexander von Humboldt-Professor an der Universität Leipzig und Max Planck Fellow am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften. Der Mathematiker, Statistiker und Informatiker ist ein führender Experte auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. In seinem Vortrag sprach Mukherjee darüber, wie groß in den Computerwissenschaften die Herausforderung ist, 3-dimensionale Formen zu modellieren.
Auf seinen Vortrag folgte Betty Mohler, die über „Self-Avatars & Body Perception“ sprach. Mohler ist leitende Wissenschaftlerin am Amazon Research Development Center in Tübingen. Sie beschäftigt sich mit der menschlichen Wahrnehmung und der Entwicklung immersiver Technologien.
Im Anschluss an die Max Planck Lecture und des Sommerkolloquium fand für die mehr als 150 Gäste eine Party im Außenbereich der Campus-Mensa statt.
More information